Heinrich Carl Ludwig Gätke

Helgoländer Biografien

Heinrich Carl Ludwig Gätke

Als dem Bäcker und Brauer, Johann Wilhelm Gätke, von seiner Ehefrau Sophie, geb. Wentzel, in der Marktstraße (Ecke Wallstraße) zu Pritzwalk am 19. Mai 1814 ein Sohn geboren wurde, nannten sie ihn Heinrich Carl Ludwig. Nach Beendigung seiner Schulzeit in Pritzwalk sollte er den Beruf des Kaufmanns erlernen. Dazu wurde er vom Vater in das Geschäft für Malerbedarf eines Verwandten nach Berlin geschickt. Während dieser Lehre hatte er Umgang mit Kunstmalern, was ihn zu einer entsprechenden Weiterbildung an der Berliner Akademie bewog. Schließlich erlernte er die Ölmalerei als Autodidakt.

Er musste nicht ganz freiwillig heiraten

Im Jahre 1837 reiste Gätke nach Helgoland, um sich Anregungen für sein künstlerisches Schaffen als Landschafts- und Seestückemaler zu holen. Er musste nicht ganz freiwillig am 3. April 1841 Anna Maria Tapp heiraten, die von ihm schwanger war. Seine Frau war die Tochter des britischen Obersten Hammond Ashley Tapp und der Helgoländerin Christine Payens. Gätke arbeitete als Town Clerk, wurde Regierungssekretär in der britischen Verwaltung, hatte mit seiner Frau zehn Kinder und blieb sein Leben lang auf der Insel. Gätkes Gemälde belegen Einflüsse deutscher und englischer Tradition, insbesondere durch John Constable und Carl Blechen. Zahlreiche Schriftsteller seiner Zeit, wie Theodor Fontane, Fanny Lewald und Adolf Stahr verarbeiteten Gätke wegen seiner außergewöhnlichen äußeren Erscheinung und kräftigen Gestalt in ihren Werken.

Erst nach dem Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens wandte er sich 1843 der Ornithologie zu. Diese hat auf Helgoland eine lange Tradition. Seine Bewohner begrüßten Vögel schon immer als Ergänzung ihres kargen Speiseplans. Anlass zu Gätkes neuem Betätigungsfeld war offensichtlich ein erfolgreicher Schuss auf einen Gerfalken und der Kontakt zu den auf Helgoland ansässigen erfahrenen Präparatoren. Angeregt hierdurch hat er sich durch intensive eigene Beobachtungen das Anlegen einer Balgsammlung und gute Kontakte zu deutschen, vor allen Dingen aber englischen Ornithologen (Helgoland war bis 1890 britisch), sehr beeindruckende Fachkenntnisse als Autodidakt angeeignet.

Heinrich Gätke, Helgoland, Öl auf Leinwand, 1838. Foto: gemeinfrei

Nach Gründung des Seebades bot sich eine zusätzliche Einnahme durch den Verkauf ausgestopfter Vögel an zoologische Sammlungen oder als Souvenir an Touristen. Er besaß eine zumindest in späten Jahren anscheinend eine umfassende Fachbibliothek. Bereits 1852, also nach weniger als zehn Jahren, muss Gätke eine von Arten und Herkunft sehr bemerkenswerte Sammlung besessen haben. Heinrich Gätke, der Kunstmaler aus Brandenburg, gilt allgemein als der Begründer der Vogelforschung auf Helgoland. Er zog die Aufmerksamkeit europäischer Ornithologen auf diese Insel und ihre einzigartige Bedeutung für die Untersuchung des Vogelzugs.

Visionären Ansichten über den Vogelzug

Nach zahlreichen kürzeren Mitteilungen, die erste erschien 1853, konnte Gätke endlich, von Rudolf Blasius unterstützt und herausgegeben, sein Lebenswerk „DIE VOGELWARTE HELGOLAND“ veröffentlichen. In diesem Werk wurden seine Beobachtungen und visionären Ansichten über den Vogelzug dargelegt. Er führte den Begriff „Vogelwarte“ ein. Etliche seiner teils provokativen Vermutungen wurden innerhalb des vorletzten Jahrhunderts genauer untersucht und viele konnten bestätigt werden. Seine Sammlung wurde 1891 von der preußischen Regierung für das Nordsee-Museum der Biologischen Anstalt Helgoland (BAH) angekauft. Sie ging bis auf die wertvollsten ausgelagerten Stücke 1944 im Bombenhagel unter.

Gätke erfuhr etliche hochrangige nationale und internationale Ehrungen. Er genoss, bis zu seinem Tode am 1. Januar 1897 als Ornithologe einen ausgezeichneten Ruf. Seine Arbeit, sein wissenschaftliches Erbe und sein internationales Ansehen waren schließlich der Auslöser für die Gründung der Vogelwarte Helgoland im Jahre 1910. (ENK)

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Ein Gedanke zu „Heinrich Carl Ludwig Gätke

  1. Maschinelle Übersetzung

    Mein Interesse an Helgoland ist Gouverneur Richard Pattinson 1857-1863. Ich bereite seine Biografie vor. Wissen Sie von einer Fotographie von ihm? Danke.

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