Claus Jacob Reimers (1783-1854)

Serie: Helgoländer Biografien

Plakatwerbung 1823 für Paketschiff-
Service nach New York.

Abb.: Alberto (audium.blogspot.com)

Der legendere Postschiffer Claus Jacob Reimers wurde am 4. Januar 1783 auf Helgoland geboren. Seine Eltern waren der Lotse Reimer Jacob Clausen aus Henstedt und die Helgoländerin Stientje (Christine) Friedrichs. Die jüngere Schwester hieß Stientje, wie ihre Mutter, sie war seit 1816 mit Jacob Peter Krüß verheiratet. Wie sein Vater, wurde auch Claus Reimers Fischer und Lotse.

Als am 8. September 1807 das englische Kriegsschiff „Explosion“ auf den Seehundskippen leck schlug, half Reimers es zu bergen. Sie brachten es auf die Ostseite der Düne und ließen es dort stranden. Die Mannschaft und das Kriegsmaterial konnten gerettet werden. Dem damaligen Gouverneur der Insel war er durch diese entschlossene Lotsentat bekannt geworden. Er wurde als gewandter und kühner Bursche eingeschätzt und so begannen seine gefährlichen und abenteuerlichen Postfahrten zum Festland.

Briefe, Pakete, Agenten

Seit August 1807 war Helgoland im Besitz Großbritanniens und durch die im Jahre 1806 verhängte Kontinentalsperre Napoleons ein Ort geschäftiger Schmuggelei und Spionagetätigkeit zwischen Insel und Festland. Mit seiner kleinen schnellen Schaluppe „König von England“ brachte er englische Briefe, Pakete, auch Agenten und andere Fahrgäste an die Küste, meistens nach Neuwerk. Täglich war er mit seiner Besatzung größeren Gefahren ausgesetzt und wenn es nicht die Stürme und der Eisgang waren, die ihnen zu schaffen machten, so mussten sie doch immer versuchen, sich vor den französischen Kapern und der berittenen Küstenstreife auf dem Watt zwischen Ritzebüttel (Cuxhaven) und Neuwerk zu verbergen.

Es war ein hoher Preis auf seinen Kopf ausgesetzt, aber man konnte ihn nicht fassen. Das war sicherlich nicht nur allein der Verdienst des nun schon sehr erfahrenen Claus Reimers, denn die Tochter Catharina des Leuchtturmwärters Witt(e)ke wurde seine Vertraute und gab ihm mit Signalen und verabredeten Zeichen Bescheid, wenn keine Gefahr bestand und er seine Fracht anlanden konnte. Im Sommer 1808 wurde Reimers bei einer Fahrt nach Büsum für einige Wochen festgehalten und ein weiterer bekannter Helgoländer Blockadebrecher – Hans Frank Heikens – übernahm seine Fahrten.

Politische Karte 1812: Kaiserreich Frankreich an Nord- und Ostsee.
Abb.: Ziegelbrenner

Im Winter 1809/10 brachte der Eisgang die Postschiffer in eine lebensgefährliche Situation. Sie verloren im Eis die Schaluppe und harrten mit den geretteten Postsäcken zwei volle Tage auf der Scharhörn-Bake aus, bis sie von Neuwerkern gerettet werden konnten. Insgesamt dauerte es 19 Tage, bis sie wieder auf Helgoland waren, wo man die Vermissten schon verloren geglaubt hatte. Claus Reimers beförderte in diesen turbulenten Jahren neben den Depeschen und der Post auch mehrere hundert hannöversche Offiziere und Flüchtlinge zur Insel, 130 westphälische Soldaten samt voller Ausrüstung wurden von ihm nach Helgoland gebracht.

1810 wurden die Maßregeln Napoleons gegen den Schmuggel härter, Neuwerk bekam Besatzung mit Kanonen und es wurde immer schwieriger dort anzulanden. Leuchtturmwärter Wittke, der Vater, war gestorben und Catharina, inzwischen Claus Reimers versprochen, war den Franzosen verdächtig und in großer Gefahr. So entführte er in einer äußerst spektakulären Aktion seine zukünftige Ehefrau unter Einsatz seines Lebens und brachte sie auf seine Heimatinsel. 14 Kinder entsprossen der Ehe zwischen Claus Jacob Reimers und Catharina Wittke. 1813 waren die wilden Zeiten der Blockadebrecher vorbei. In seinen letzten Lebens­jahren durfte er unter dem britischen Gouverneur Admiral Hindmarsh als Signal­macher für 60 englische Pfund jährlich Signaldienst verrichten. Von seinen ver­sprochenen Belohnungen erhielt er nur eine goldene Ehren- und Verdienstmedaille des englischen Königs, die er in späteren Jahren aus Not versetzen musste. Er starb fast 72-jährig am 5. November 1854. ERICH-NUMMEL KRÜSS

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2 Gedanken zu „Claus Jacob Reimers (1783-1854)

  1. Sehr geehrte Frau Reul,

    ich kann weder Heinrich Friedrich noch Friedrich Jacob Reimers in meinen Unterlagen entdecken.
    Dazu benötige ich weitere Informationen , vielleicht vom Urgroßvater oder Daten und Namen von den Ehefrauen
    und den Zeitpunkt, wann die Insel verlassen worden ist.
    Falls Sie mit mir weiterhin in Kontakt bleiben wollen,geht das am leichtesten über meine E-Mail Adresse.
    nummelkruess | at | aol | dot |com.
    Mit freundlichen Grüßen
    Erich-Nummel Krüss
    Helgoland-Genealogie

  2. Hallo,

    ich bin mit höchster Wahrscheinlichkeit ein Nachkomme von Claus Jacob Reimers.

    Der Name meines Vaters war Heinrich Friedrich Reimers und der Name seines Vaters war Friedrich Jacob Reimers. Die Familie lebte in Hamburg und soll von Helgoland stammen.

    Gerda Reul, geb. Reimers

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