Fanggeräte und Methoden der Hummerfischerei

VON ERICH-NUMMEL KRÜSS

In früheren Zeiten setzten die Helgoländer Fischer Hummernetze mit angebunden Ködern vor die Höhlen und Löcher, in denen sie Hummer vermuteten. In diesen verfingen sich die Hummer. Neben den Hummernetzen verwendeten sie auch noch den sogenannten Plumper, ein runder Eisenring mit einem Durchmesser von etwa einem Meter mit einem beutelartigen Netz darunter. Quer über den Rahmen wurde der Köder eingespannt.

xl_Hummerfischerei1Helgoländer Hummerkörbe. Foto: Museum Helgoland

Mit einer Korkleine (Semm) versehen, ließ man ihn auf den Grund und wartete, bis man annahm, dass sich der Hummer mit dem Köder beschäftigte. Nun musste man den Plumper schnell hochziehen, damit der Hummer ins Netz gedrückt wurde und keine Gelegenheit fand, wegzuschwimmen. Wahrscheinlich wurde diese Art des Hummerfischens meist südlich auf Aadebrunn betrieben, denn die Gefahren­tonne „Düne-Süd“ wird von den Helgoländer Fischern immer noch „Plumper Tenn“ genannt.

Baumwollnetzgarn oder Manilahanf

1780/90 tauchten die ersten Hummerkörbe (engl. Lobstertraps = Hummerfallen), vermutlich aus Schottland eingeführt, hier auf. Erstmalig lockte man Hummer mittels eines Köders in einen Korb. So entstand dann der für Helgoland typische und auch jetzt noch sehr dekorative bienenkorb-ähnliche Helgoländer Hummer­korb. Zur Herstellung des Korbes verwendeten die Fischer Treibholz (Kiholt) sowie Butterfaßreifen und als Gewicht diente ein Helgoländer Stein. Der Eingang (Snütt) war, wie auch die obere Öffnung (Koppels), teilweise aus Baumwollnetzgarn oder Manilahanf gestrickt.

Der Korb wurde auf den Meeresgrund abgesenkt mit einer Korkleine (Semm). An dieser waren im Abstand von 40 bis 60 Zentimetern Korken (Fleeten) befestigt, die die Leine an der Wasseroberfläche hielten. Die ersten zwei, drei oder vier Ennfleeten waren farbig gestrichen, dabei hatte jeder Fischer seine Farben. Ausser­dem waren auf dem ersten Korken seine Initialen eingekerbt. Je nach Wassertiefe, Strom- und/oder Tideverhältnissen bekamen die Semmen noch einen Iipsteker (Verlängerung, damit die Hummerkörbe immer zu bearbeiten waren und nicht durch starken Gezeitenstrom unterströmten).

Leinenmarkierungen der Hummerfischer

(Ennfleeten fan Semmen)
NameFarbkennung
Block, Nickelsrot-weiß
Broders, Hinrichrot-grün-rot-grün
Busch, Clausgrün-grün-blau
Denker, Maxgelb-weiß-gelb
Denker, Jasperblau-gelb-weiß
Denker, Paulschwarz-weiß
Denker, Richardrot-rot-rot
Dreyer, Carstenweiß/grün (1 Fleet)
Friedrichs, Heinrichgrün-weiß-grün-weiß
Friedrichs, Leopoldblau-weiß-rot
Gebrüder Krüßschwarz-weiß
Hornsmann & Krüßweiß-weiß-weiß-weiß
Judverschad, Willirot-rot-rot
Kanje, Oelrichweiß-weiß-weiß-weiß
Koopmann, Jacobgrün-grün-weiß
Krüß, Johanngelb-grün-gelb
Lührs, Henryrot-rot
Oelrichs, Karl Shellrot-gelb
Oelrichs, L / Wesselsweiß-weiß-gelb
Reymers, Henryrot-weiß-weiß
Roolfs, Theogrün-grün-gelb
Uterhark, Christianblau-weiß

Nach dem Ersten Weltkrieg kamen dann nach und nach die jetzt noch gebräuch­lichen eisernen Hummerkörbe zum Einsatz. Diese Körbe entwickelten um 1927 die Hummerfischer Peter „Mister“ Oelrichs, Erich Bufe, Nummel Krüß und Hans Tönnies Hornsmann. Es sind vier- oder rechteckige aus Rundeisen gefertigte Gestelle in den Abmessungen 60 x 60 (80) x 30 (40) Zentimeter mit zwei oder bei den rechteckigen Körben sogar drei Eingängen. Der Köder wurde im Korb in einem diagonal gespannten Garn (Dwarstaalung) befestigt. Aus größeren Wassertiefen begann man jetzt mit Hilfe eines Spillkopfes (aufrecht stehende Winde) die Hummerkörbe hochzuziehen. Dazu wurde eine Hiever-Semm benutzt, eine Leine ohne Korken, da sonst die Fleeten durch den Spillkopf abrissen. Nur die obere Semm (ca. 12 Faden = 22 Meter lang) war noch mit Fleeten besetzt.

Landmarken spielten die wichtigste Rolle

Durch den hohen Gezeitenunterschied von etwa zweieinhalb Metern bei der Insel läuft dementsprechend auch ein starker Gezeitenstrom. Bei Springzeit (etwa drei Tage nach Neu- und Vollmond) ist der Gezeitenunterschied noch größer. Das bedeutet, daß innerhalb einer Tide im gleichen Zeitraum (rund sechs Stunden) noch mehr Wasser transportiert wird und dadurch ein noch stärkerer Gezeiten­strom fließt. Das kann zur Folge haben, daß die Hummerleinen mit ihren Fleeten unterströmen. Der Hummerfischer kann seine Körbe erst bearbeiten, wenn der Strom geringer wird, und die Fleeten, einer nach dem andern, aus der langsamer werdenden Strömung auftauchen. (Dja keem boppen – Tau Fleeten boppen usw.)

teaser_bugre_europeuEuropäischer Hummer
(Homarus gammarus).

Foto: Roberto Rodríguez

Auf dem Helgoländer Felssockel war die Orientierung ziemlich einfach so­fern die Sicht ausreichte. Die Land­mar­ken spielten die wichtigste Rolle. Abstand und Peilung wurden in einer ziemlich einfachen Art praktiziert. Man merkte sich zwei Landobjekte in Deckung oder in einer gewissen Stellung zueinander, also eine Peilung. Der Abstand konnte dadurch bestimmt werden, dass man sich ein Fenster, eine Brüstung, ein Dach oder ähnliches an der oberen Felskante merkte. Zum Beispiel Kirchturm im Leuchtturm, zweites Fenster von oben des Leuchtturms am oberen Felsrand. Das dort weggesetzte Fanggerät fand man am nächsten Tag unter den gleichen Positionsangaben wieder, ohne etwas aufzuschreiben oder eine Seekarte zu benutzen.

Die Hummerkörbe legten sie meistens in Partien zu 10 bis 12 Stück, aber einzeln, aus. An der Semm des ersten Korbes wird eine Boje (Fliggerboi) mit Flagge befestigt. Der letzte Korb der Partie bekommt eine Markierung, entweder eine Glaskugel, ein größeres Korkstück oder eine eingeknotete Bucht am Ende. Beim Suchen nach den richtigen Ecken und Winkeln, wo sie den Hummer vermuteten, kam natürlich das Handlot zum Einsatz. Es ist das wichtigste Navigationsgerät eines Hummerfischers. Damit kann nicht nur die Wassertiefe gemessen, sondern auch mittels einer Lotspeise (Schafs- oder Rindertalg) die Bodenbeschaffenheit erkannt werden, eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Arbeit. Für die Gebiete Steingrund und Fiirs Noorden hat das Lot noch eine größere Bedeutung. Die Landmarken sind hier spärlicher, und durch die größere Entfernung schlechter zu erkennen oder die Insel wegen schlechter Sicht nicht zu sehen.

Sie verliessen sich nur auf Kompaß, Uhr und Handlot

Jeder Fischer wußte natürlich genau, nach wieviel Zeit bei gewähltem Kurs das Lot benutzt werden mußte, um seine Fanggründe zu finden, oder seine Boje in Sicht kam. Hier draußen wurde jeder Hummerkorb einzeln weggelotet. Ein Boot fischte mit 60 bis 80 Körben. Das waren bei einem Hol schon etwa 80 Lotungen. Wenn man dann annimmt, das nur zweimal für jeden Korb umsonst gelotet wird, bringt man es leicht auf 240 Lotungen. Bei zweimaliger Bearbeitung der Körbe am Tag waren daher 500 Lotungen keine Seltenheit. Bei langsamer Vorausfahrt wird das Lot weit vorausgeworfen, damit es den Grund berührt, wenn die Lotleine querab steht. Nun muß das Lot schnell eingeholt werden, um an der Lotspeise die Bodenbeschaffenheit zu erkennen.Wenn das Lot felsigen oder steinigen Grund anzeigt, muß versucht werden, den Korb schnell auf den Fanggrund abzusenken, möglichst an der Stelle, an der das Lot die Probe hochgebracht hat.

xl_hummerfischerei_3Moderne Hummerkörbe. Foto: Museum Helgoland

Hat man zwischen zwei Lotungen größere Differenzen in den Wassertiefen (Ferskeel) festgestellt, ist man sich ziemlich sicher, dass dieser Unterschied darauf beruht, dass sich hier größere Steine oder Höhlen befinden. Deshalb ist es dann nicht notwendig, sich die Lotspeise anzusehen, der Hummerkorb kann weggesetzt werden, bevor das Lot eingeholt ist. Wenn das Lot Pimp (Pümp-Wurm = Sabelaria Spinulosa = kleine Würmer in Sandröhren), mit nach oben bringt, ist man sicher, beim nächsten Hol ein paar Hummer mehr zu fangen, denn dies ist ihr bevorzugtes Nahrungsmittel.

Für den Köder (Tiinerjaars) gilt die Regel, dass er stark riechen muss. Deswegen werden kleine Schollen oder Scharben in kleinen Fässern oder Eimern im eigenen Saft aufbewahrt. Er wird zugeschnitten und in die Körbe, wie schon beschrieben, eingespannt. Als Reserve-Köder diente früher noch ein Fass mit eingesalzenem Hummerfutter, wenn das andere verbraucht war. Wie schon erwähnt, reagiert der Hummer auf einen stark bis penetrant riechenden Köder, der Geruch ist beim Waschen kaum von den Händen zu bekommen. Würde frisches Aas als Köder benutzt, zum Beispiel frischer Dorschabfall, so ist der Korb sehr schnell voll von Taschenkrebsen, die den Zugang für den Hummer versperren oder ihm keinen Platz lassen. (wird fortgesetzt)

Artikel zur Serie

  1. Die Hummerfischerei vor Helgoland – Fanggründe (24.02.2013)
  2. Fanggeräte und Methoden der Hummerfischerei (29.03.2013)
  3. Fangmengen und Fangzeiten der Hummerfischerei (30.04.2013)
  4. Hummerhandel und Hummerversand (31.07.2013)
  5. Hummerfang nach dem Zweiten Weltkrieg (30.09.2013)

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