Heringsmengen ändern alles

VON OTTO-ERWIN HORNSMANN1

HeringslaichHeringslaich. Foto: gemeinfrei

Das Dasein der Helgo­länder Einsiedler änderte sich jedoch, als ab 1425 der Hering in ungeheueren Mengen in der Nähe der Insel Helgoland erschien. Alle Städte an der Küste beteiligten sich am Fang und viele Händler ließen sich auf der Insel nieder und bauten Lager- und Packhäuser. Es waren an diesem Heringsegen, der fast 100 Jahre anhielt, zeitweilig 200 bis 300 Schiffe beteiligt, die mehr als 2.000 Mann beschäftigten und auf der Insel über 200 Fischerbuden benötigten.

Helgoland – eine ergiebige Einnahmequelle

Der Konkurrenzkampf um den Hering war so hart, dass der Herzog von Gottorp im Jahre 1496 die von den fremden Kaufleuten gebauten Lagerhäuser zerstören ließ und einen hohen Zoll von allen Fremden forderte. Nun gab es wegen Helgoland sogar einen großen diplomatischen Notenwechsel zwischen den Parteien. Die Hansestädte behaupteten, die Insel wäre im freien Meer gelegen, sie sei so frei wie das Meer, und es wäre schon immer so gewesen, dass sie dort gebaut hätten. Der Herzog Friedrich konterte dagegen, er hätte die Insel nun mal in seinem Besitz und

es wäre ganz unstreitig und aller Geographorum und Historicorum einhelliger Consens, dass Helgoland im friesischen Lande wäre gelegen und für 1000 und fürwenigere Jahren mit Eyderstedt Everschop und Uthholm ingleichen mit Nordstrand sodenne Föhre, Silt und Amre eine conterminierende Region gewest.

Man wurde sich jedoch nicht gleich einig, die Hansestädte überfielen mit den Dithmarschern die Insel 1497 und zerstörten aus Rache erstmal die Häuser des Herzogs, „worein Hering, Artillerie und ander Gut“ war. Auch im nächsten Jahr 1498 sind die Städte abermals

mit Volck auf Helgoland gekommen und vermeinten sich die Insel zu impatronieren.

Aber der Herzog hatte vorgesorgt und einen Vogt, Jahrt Nielsen, „samt vielen Volcke aus dem Lande Utholm dahin verordnet“, so dass der Angriff abgewehrt wurde und über hundert Gefangene gemacht wurden. Erst jetzt wurde

mit beyden Parteien guten Contento Frieden gemacht und die Gefangenen losgemacht.

Wir wissen durch Peter Sax, dass im Jahre 1483 ein Vogt des Königs Johannes von Dänemark, der Herr Henning von Gude, hier regierte, jedoch war die Insel bei der ersten Schlichtung der Herzogtümer 1490 dem Herzog von Schleswig-Holstein zugefallen. Nun war Helgoland nicht mehr irgendeine kleine Insel mitten im Meer, sondern eine ergiebige Einnahmequelle.

Ganz ansehnliche Einkünfte

Wenn auch ab 1500 kein Heringszoll mehr gefordert wurde, so erhob man jetzt ein Remengeld von den Heringsfischern, nach Anzahl der Ruder fünf bis zehn Schilling pro Boot, und für jede Bude auf der Insel ein Budengeld von vier Schilling. Die vorhandenen Steuerregister aus den Jahren 1500 bis 1522 verzeichnen ganz ansehnliche Einkünfte. Aus diesen Listen geht weiter hervor, dass von den Helgoländern jährliches Landgeld von 30 Schilling, Einfuhrsteuern für Bier und eine Zeitlang sogar ein Lämmergeld von vier Schilling für die Nutzung des landesherrlichen Weidelandes gezahlt werden musste. Auch ein Ausfuhrzoll „des Kalkes halver“ von der weißen Klippe wurde erhoben. (wird fortgesetzt)

Gestaltung: Andreas Bubrowski

  1. aus: Otto-Erwin Hornsmann, Geschichte und Geschichten der Insel Helgoland, Museum Helgoland, 2006, mit freundlicher Genehmigung des Autors

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  3. Heringsmengen ändern alles (31.08.2013)
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