Leben und Überleben Dank Hummerfischerei vor Helgoland

Serie von Erich-Nummel Krüss zum 60. Jahrestag der Freigabe Helgolands1

Helgoländer Fischer im gesperrten
Südhafen.
Foto: Museum Helgoland2

Am 1. März 2012 begehen die Helgoländer feierlich den 60. Jahrestag der Freigabe der Insel. Erich-Nummel Krüss, der Betreiber des Portals Helgoland-Genealogie hat dazu einen persönlichen Erlebnisbericht verfasst, der als Artikelserie in lockerer Folge an dieser Stelle veröffentlicht wird.

Im ersten Teil hat der Autor beschrieben, wie er als Jugendlicher das Ende des Krieges, die Sprengung der Insel und den Neubeginn in der Hummerfischerei erlebt hat. Nachfolgend lassen sich die ersten Anfänge der Hummerfischerei nacherleben, die aller erschwerten Bedingungen zum Trotz das Leben und Überleben Helgoländer Fischerfamilien sicherstellte. Noch aber ist das Betreten der Insel offiziell verboten. (abu)

Helgoland ist frei!

Zweiter Teil, von Erich-Nummel Krüss

Die Wohnmöglichkeiten auf der „Eta-Elisabeth“ waren äußerst beschränkt, nach heutigen Begriffen wohl sogar unmöglich. Die Kajüte war, zwischen der ersten und zweiten Ducht passend, ca. 2 Meter lang und so breit wie das Boot, Innenmaß rund zwei Meter. Zwei Kojen übereinander an Backbord, eine Bank an Steuerbord, auf der ich schlief. Ging man zur Koje musste zunächst der Erste in die Kajüte, dann der Zweite und ich als Letzter. Beim Aufstehen in umgekehrter Reihenfolge. Ob Regen oder/und Wind, die anderen mussten draußen warten.

Während vor Helogoland die ersten Hummerfischer unterwegs sind, wird auf der Insel die größte konventionelle Sprengung aller Zeiten vorbereitet. Foto: Museum Helgoland

Gekocht wurde auf einem einflammigen Kohleherd. Meistens aßen wir draußen, wenn es das Wetter erlaubte. Aßen wir in der Kajüte, so musste ich mich, als Moses, mit einem dicken Stück Holz auf den noch warmen Herd setzen, weil am Klapptisch nicht Platz für drei Personen war. Trinkwasser wurde in alten Benzinkanistern mitgeführt, es war ausschließlich für den Verzehr bestimmt, daher wurde sich möglichst nicht so oft gewaschen, was mir in meinem damaligen Alter aber überhaupt keine Schwierigkeiten bereitete.

Wochenlang ging das so: morgens gegen vier Uhr auslaufen, abends 22 Uhr einlaufen. Da standen dann die armen vertriebenen Flüchtlinge schon an der Pier und warteten auf uns, damit sie etwas von dem kleinen Beifang abbekamen, den wir extra für sie mitbrachten, denn der gute Fisch musste abgeliefert werden.

Vater Harlich Krüß beim Hummer-
Binden.
Foto: Mueseum Helgoland

Als wir nach etwa vier Wochen auf dem Heimweg nach Otterndorf waren, wollte mein Vater unbedingt diesen nur über Helgoland antreten. Wir steuerten über Sellebrunn das Nordfahrwasser an und als wir am Nordost-Hafen anlangten, meinte er, wir sollten dort mal hineingucken. Das Hafenbecken war ziemlich unversehrt, da ja die Spirale, unser großer Zivilbunker und der Altegörstollen, in dem wir 1945 den Großangriff überlebten, noch intakt waren. Deren Sprengung erfolgte erst im Oktober 1947, die uns die Treppenhalde bescherte.

Als wir um den Molenkopf in den Hafen einbogen, bemerkten wir dort mit Erstaunen zwei offene Helgoländer Boote, die „Margaretha en Anni“ mit, wie wir später feststellten, Jonny Nickels und Peter Kanje, sowie die „Frühling“ mit William Denker und Peter Bartz (de Beer). Aber es war keiner von ihnen zu sehen.

Als wir dann längsseits gingen, öffnete sich eine Luke, eine Hand mit einem Teller kam heraus, auf dem ein schöner großer rotgekochter Hummer lag. Der dazugehörende Mann, Peter Kanje, meinte dann, dass „ein Sklave zum Frohsein nur sehr wenig braucht“! Da meines Vaters Frage, ob es schon Hummer gäbe, bejaht wurde, hielt ihn und meinen Cousin nichts mehr. Nach einem kleinen Klönschnack wurde abgelegt in Richtung Otterndorf, am nächsten Tag wurden unsere Hummerkörbe übernommen und wir fuhren den gleichen Weg wieder zurück.

Meistens fischten wir nun Hummer auf Norden, etwa 10 bis 11 Seemeilen nördlich der Insel oder auf Steingrund und sechs Seemeilen östlich der Düne. Aber ein paar Hummerfischer fanden sich schon auf den Klippen rund um Helgoland – iip´e Bru – ein. Zunächst konnte man abends oder bei schlechtem Wetter noch in den Südhafen einlaufen, denn hier lag noch das Wohnschiff, die „Royal Prince“ mit britischen Besatzern und deutschen Arbeitern. Es muß 1947 und die Zeit gewesen sein, wo die Sprengung am Felseneck und der Spirale vorbereitet wurde, dann es war uns verboten, an Land zu gehen.

BIG BANG – Furcht vor dem endgültigem Ende der Insel. Foto: Museum Helgoland

Unter den Arbeitern waren auch einige Helgoländer, deren Familien in Cuxhaven untergekommen waren. Auch das Helgoländer Rettungsboot „Geheimer Rat H. Gerlach“ mit dem Vormann Rickmer Bock (dessen Name das Boot später bekam) und mit Paul Denker, der sein Leben mit der „Adolph Bermpohl“ verlor, lag damals ebenfalls hier auf Station. (wird fortgesetzt)

  1. am 1. März 1952
  2. Die historischen Aufnahmen zur Artikelserie enstammen dem Buch Helgoland ist frei!, eine im Selbstverlag herausgegebene Sammlung von Zeitzeugenberichten. Das Buch kann für sieben Euro beim MUSEUM HELGOLAND bezogen werden.

Artikel zur Serie

  1. Helgoland ist frei – Neubeginn mit der Hummerfischerei (22.02.2012)
  2. Leben und Überleben Dank Hummerfischerei vor Helgoland (27.02.2012)
  3. Helgoländer Hummer gegen dänische Kronen (04.03.2012)
  4. Für Helgoländer Fischer kehrte 1948 bis 1950 der Krieg kurzzeitig zurück (09.04.2012)
  5. 1. März 1952 - Helgoland ist endlich frei! Ein beispielloser Wiederaufbau beginnt (20.05.2012)

Schreibe einen Kommentar