Abfall- und Hochzeitsverordnung

Serie „Geschichte und Geschichten der Insel Helgoland“ von OTTO-ERWIN HORNSMANN1

Brautwerbung und Hochzeitsverordnung auf Helgoland

Nach erfolgreicher Brautwerbung ist die Hochzeitsverordnung zu beachten.
Abb. Museum Helgoland

Auch für den Umweltschutz tat er (Herr von Colditz) was. Es wurde am 13. Juli 1693 angeordnet:

„Alß man bey itzo allhier grassierenden hitzigen Krankheit wahrnimmt, dass ein übler Gestank auß den Gossen, alß von dem Abfall der heraufbringenden Fische enstehet und solche Krankheit gar sehr vermehret wird, wird jedermanniglich bey unausbleiblicher Strafe anbefohlen, alle Gossen sauberzumachen und rein zu halten, sondern auch die Fischköpfe und allen Abfall so Gestank verursacht in den Mist zu verscharren und die stinkenden Mistkuhlen mit Stroh oder so gut sie können vor entstehenden Gestank zu schützen. Wie nicht weniger unten am Strande, auch der Abfall von den Fischen weit genug ins Wasser, damit solches wegtreiben kann, geworffen werden muss. Man wird gleichfalß deswegen fleissig visitieren lassen.“

Mit Recht erregten andere Düfte den Unwillen. Er befahl daher am 6. August 1693.

„Demnach man bey anitzo anhaltender großer Hitze vernimmt, dass aus den Todtengräbern, weil die Leichen nicht tief genug eingegraben, ein abscheulich übler Gestank entstehet. Alß wird hiermit allen, welche vor einem Monat her Todte haben begraben lassen, anbefohlen, allsofort die Gräber mit Erde, welche vorher mit Wasser wohl befeuchtet worden, zum Wenigstens 2 Fuß hoch zu beschütten und hernach mit Soden zu erhöhen, damit kein Gestank mehr daraus kommen kann“.

Am 24. Dezember 1693 ergeht eine Bekanntmachung über Feuerschutz.

„Demnach man mit Entsetzen gesehen, wie die Leute allhier des Morgens aus ihren benachbarten Häusern zu Anzündung ihres Feuers brennende Kohlen tragen, auch wohl durch Kinder solches gantz unvorsichtig und unbedeckt thun lassen und aber bei starkem Wind leicht ein Funke in die Strohdächer kommen und ein groß Unglück entstehen kann. Alß wird hiermit jedermänniglich gewahrschauet, wenn sie schon aus anderen Häusern notwendig Feuer langen müssen, solches vorsichtig und in verdeckten Pötten tragen“.

Hochzeitsverordnung

Ein sattes Bild des Lebens in der damaligen Zeit gibt aber die „Hochzeitsverordnung“ vom 10. Dezember 1694.

„Demnach unter anderen bösen Gewohnheiten auch diese auf´m Lande eingerissen, dass bey den Hochzeiten allerhand Unordnungen vorgehen und man gleichwohl auch allhier gute Zucht und Ordnung sehen möchte, damit hinführo alles fein erbar und Christlich zugehen möcht, alß wird vors Erste

Brautwerbung auf Helgoland. Abb. Museum Helgoland

Brautwerbung auf Helgoland. Abb. Museum Helgoland

  1. verordnet, dass Braut und Bräutigamb zu rechter Zeit sich in die Kirche und zwar noch unter dem Gesang einfinden und nicht jedermann voll besoffen und mit ungestümen Poltern wie bishero zu großen Ergerniß anderer Leute geschehen, sondern fein erbar in guter Ordnung in die Kirche kommen sollen, bey Strafe einen Rthl., welche so spät und unter der Predigt kommen, den der Bräutigam erlegen soll.
  2. soll auch nicht jedweder, wer da nur Lust zu Saufen hat, sich zur Hochzeit einfinden und denen neuen Eheleuten grosse Unkosten verursachen, sondern es sollen hinführo nach altem Gebrauch sich nur derjenige einfinden, so durch ordentliche Hochzeitsbitter alß Gäste daran gebethen worden. Zu welchem Ende denn
  3. Braut und Bräutigamb oder dero Eltern ihre nechsten Freunde durch zwey Mannes-Persohnen drey Tage vorher zur Hochzeit bitten und die gebethenen Gäste mit Nahmen aufschreiben und wenn sie zur Kirche gehen wollen, ablesen lassen sollen. Welchenun, er sey Mannes oder Weiberpersohn, verehelicht oder ledig, sich nach alter böser Gewohnheit in dem Hochzeitshaus werde finden lassen,, dieselben sollen jedtweder mit 1 Rthlr. denen Armen zum besten verfallen seyn und soll der ungebethenen wegen im Hochzeitshause die Thür zugehalten werden“.

(wird fortgesetzt)

Gestaltung: Andreas Bubrowski

  1. aus: Otto-Erwin Hornsmann, Geschichte und Geschichten der Insel Helgoland, Museum Helgoland, 2006, mit freundlicher Genehmigung des Autors

Artikel zur Serie

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  9. Abfall- und Hochzeitsverordnung (04.10.2014)
  10. Reglementierung der Landwirtschaft - damals schon (23.12.2014)
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